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Ausblick auf die Saison 2018 mit dem Jahresmotto "Zeitzeugen"

Datum: 17.03.2018

Zeitzeugen

Für die Saison 2018 hat das Oberpfälzer Freilandmuseum das Motto „Zeitzeugen“ gewählt. Nicht die Geschichte großer Männer ist das Thema dieses Museums, sondern die der „kleinen Leute“, der Alltagskultur. Die Quellen sind in diesem Bereich leider nicht so zahlreich wie bei den Königen, Fürsten oder Bischöfen. Seit den 60er Jahren wurde, gerade im Fach Volkskunde, die „Oral History“, also das Befragen der Menschen, die wenig schriftliche Zeugnisse hinterlassen, zunehmend angewandt.

Das Oberpfälzer Freilandmuseum versucht sich vermehrt mit der neueren Geschichte im ländlichen Raum der Oberpfalz auseinanderzusetzen und diese Methoden für sich zu nutzen. Zu Saisonbeginn Anfang März wird eine Ausstellung mit dem Titel „Volk Heimat Dorf – Ideologie und Wirklichkeit  im ländlichen Bayern der 1930 und 1940er Jahre“  eröffnet. Erarbeitet wurde die Ausstellung von der Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Freilichtmuseen, die seit 1995 kontinuierlich neue und wichtige Themen für die Museumsbesucher aufbereitet.

In dieser Ausstellung, die sich mit einem schwierigen Abschnitt unserer Geschichte beschäftigt, wird nicht die große Politik erzählt, sondern die Probleme der Landbevölkerung zwischen Erzeugungsschlacht und Hungersnot, zwischen Blut und Boden Ideologie und Alltagsbewältigung. Dazu gehört gerade auch auf dem Land die Aufnahme von Zwangsarbeitern und Flüchtlingen.

Zwei Aufsätze des Begleitbandes behandeln Oberpfälzer Themen. Lorenz Burger schreibt über Baracken in der Oberpfalz und Sebastian Schott stellt den Weidener Großviehhändler Leopold Engelmann vor, exemplarisch für den Kampf der Nationalsozialisten gegen die jüdischen Viehhändler.

Obwohl die Freilichtmuseen lange versäumt haben die Zeitzeugen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu befragen, konnten doch noch Quellen hinzugezogen werden, die sich mit dem Alltagsleben dieser Zeit beschäftigen, zum Beispiel das Tagebuch eines Pfarrers im niederbayerischen Loitzendorf, das von 1924 bis ein Jahr nach der Machtergreifung 1934 geführt wurde.

Ein ganz anderer Zeitzeuge ist der Hans, den das Museum in der zweiten Saisonhälfte vorstellt. Der Hans ist einfach aus der Zeit gefallen und konnte oder wollte sich nicht den Veränderungen in der Landwirtschaft nach dem Kriege anpassen. „Der Hans hat was er braucht und was er nicht hat, das braucht er nicht“, heißt es im Begleittext von Josef Paukner. Das ist eine unerhörte Provokation in unserer Wachstumsgesellschaft und Stefan Winkelhöfer hat dieses einfache Leben eindrucksvoll fotografiert und zeigt es im Rahmen einer Ausstellung im Museum

Dabei hat es gerade in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf dem Lande so viele Veränderungen gegeben, wie nie zuvor. Durch Zeitzeugenbefragungen haben Studenten der Universität Regensburg aus den Bereichen Vergleichende Kulturwissenschaften, Bayerische Landesgeschichte und Wirtschaftsgeschichte versucht möglichst viele Aspekte dieser Veränderungen zu erforschen. Ihre Ergebnisse werden im Freilandmuseum zu sehen sein.

Zum Motto Zeitzeugen gehört auch ein Projekt, bei dem versucht werden soll Senioren nicht nur als Besucher unseres Museums zu empfangen, sondern ihre Erfahrungen und ihr Wissen willkommen zu heißen. Dieses Projekt soll einerseits mit Eveline Seitz von der Fachstelle für Senioren im Landkreis Schwandorf und andererseits mit der  Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften unter der Leitung von Dr. Irmgard  Schroll – Decker und ihren Studentinnen durchgeführt werden.

Das Oberpfälzer Freilandmuseum hofft, dass durch die vielen Aktivitäten im Jahr 2018 sich noch andere Besucher bereit erklären ihr Wissen dem Museum zur Verfügung zu stellen.